Freitag, 15. Juni 2007

Ohne Basiswissen kein Erfolg

Diese Woche war es wieder so weit: "Grundlagen der Tontechnik Teil 1 und 2" stand auf dem Plan des MOCOM Schulungskalenders. Und wie immer ist es nicht nur harte Arbeit für 10 Personen ein zweitätiges Seminarprogramm auszuarbeiten sondern auch pure Freude für mich zu sehen, dass die Vermittlung von Grundlagen offenbar doch nie unmodern wird.

Und so fanden sich auch diesmal wieder Personen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen bei uns ein, die alle mehr oder weniger intensiv mit Tontechnik in ihrem Beruf zu tun haben, vom AV-Verkäufer über Inbetriebnahme-Techniker bis hin zu einem Berufsschullehrer, der die beiden Tage zur persönlichen Weiterbildung nutzte.
Nun könnte man annehmen, dass Personen aus der Branche sicher keine Grundlagenschulungen in Sachen Tontechnik wollen oder brauchen, doch der rege Zuspruch zu unserem Angebot lässt exakt den Gegenschluss zu. Das wundert mich persönlich jedoch überhaupt nicht, denn ich erlebe tagtäglich, dass speziell in Sachen Audio viele einzig und allein dem Motto "Learning By Doing" folgen und sich nie um die Aneignung von Basiswissen gekümmert haben. Ob darin alleine die oft sehr bescheidene Qualität österreichischer Lautsprecheranlagen begründet ist, traue ich mich nicht zu behaupten, eines ist jedoch völlig klar:

"Wer nicht weiß wie man es richtig macht, muss probieren oder kann nur raten!"
Daher konzentriert sich unsere dreiteilige Tontechnik-Schulungsreihe auf die Vermittlung von Grundlagen. Angefangen bei Informationen WIE und WAS wir eigentlich hören führt der Weg zu Begriffen wie "Hörkomfort" oder "Verkürzung der Hördistanz". Da gibt es meist schon die ersten Aha-Erlebnisse, weil sich manch einer zum ersten Mal ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, was eine Beschallungsanlage eigentlich können soll bzw. was die einzelnen Erfolgskriterien eigentlich sind.
Spätestens beim Thema Ortung (aus welcher Richtung hören wir ein Schallereignis) und beim Haas-Effekt erkenne ich als Vortragender, dass den Teilnehmern klar wird, Tontechnik ist nicht eine schwarze Kunst oder ein künstlerischer Prozess, sondern das Ergebnis der konsequenten Anwendung von physikalischen Grundgesetzen und Ergebnissen der Forschung.
Natürlich muss die eine oder andere Anekdote oder ein plakatives Beispiel aus der Praxis zur Auflockerung im Vortrag platziert werden, am wirksamsten sind aber natürlich Klangbeispiele selbst.
Wie immer steht natürlich viel zu wenig Zeit zur Verfügung und es wäre vermessen zu behaupten, dass man in drei Tagen perfekte Tontechniker ausbilden könnte, aber einiges getraue ich mich zu behaupten:
  • Die Teilnehmer verlassen die Schulung mit gestärktem Selbstvertrauen, wenn sie die in der Praxis erlebten Fehler oder Erfolge plötzlich begründen können, weil das nötige Fundament plötzlich vieles erklärbar macht.
  • AV-Techniker mit Videohintergrund, welche bisher Lautsprecher eher als Beiwerk zu einer Projektionsleinwand gesehen haben, beginnen über den guten Ton nachzudenken.
  • Verkäufer lassen sich nicht mehr so einfach in "Mission Impossible" Projekte hineinziehen, d.h. vermeiden solche Projekte, welche technisch praktisch unmöglich zu realisieren sind, weil der Kunde unrealistische Forderungen aufstellt.
  • Allen wird bewußt, dass es auch bei Tontechnik-Geräten Qualitätsunterschiede gibt und sich Produktpreise nicht nur durch Markennamen und Marketing ergeben.
  • und last but not least: Dass die Übertragung der menschlichen Stimme oder auch von Musik an ein Publikum mittels guter Tontechnik auch eine Menge Spaß machen kann.
Was kann ich mir also mehr wünschen? Daher nochmals ein Dank an die Teilnehmer für ihre Zeit und ihr Interesse und natürlich auch Danke an das MOCOM Team, das mir viel Arbeit abnimmt, damit ich mich auf meine Lieblingsbeschäftigung konzentrieren kann: Reden, reden, reden, ....
Wie immer freue ich mich auf Ihre Kommentare; bleiben Sie mir gewogen, der nächste Post kommt dann direkt aus den USA von der Infocomm, zu der ich jetzt gleich aufbreche.

Montag, 4. Juni 2007

Haus der Zukunft und anderer Unsinn

Sucht man in Google nach "Haus der Zukunft" so gibt es ca. 177000 Treffer und trotzdem gibt es kaum einen Begriff, der mich persönlich so ärgert wie dieser!
Unter diesem Titel, der seit den fortschrittsgläubigen 50er Jahren und TV-Serien wie "The Jetsons" in aller Munde ist, verstehen Auskenner und solche, die sich dafür halten in unserer Branche Musterhäuser, bei denen möglichst viel Technik eingebaut ist und welches dem Besucher vorgaukeln will, wie er sich seine Zukunft so vorzustellen hat.

Was stört mich nun konkret so an diesem Ausdruck?

  1. Fast überall steht dieser unsägliche Electrolux Internetkühlschrank oder ein ähnlicher Prototyp für den wahren Fortschritt, als wenn es keine ander Innovationen geben würde als einen Einkaufszettel durch einen LCD Screen zu ersetzen.
  2. Mit wenigen Ausnahmen gilt der Blick fast immer der (teilweise weit entfernten!) Zukunft und vor dieser fürchten sich die meisten von uns auch ohne Technik.
  3. Den Projekten ist praktisch immer die zugrundeliegende Finanzierung anzusehen. Entweder als Forschungsprojekt (an den absolut praxisfremden und nicht serienreifen Teilsystemen zu erkennen!) oder aus planlos zusammengewürfelten Einzelteilen der jeweiligen Sponsoren bestehend.
  4. Den größten persönlichen Unmut löst jedoch die völlige Negierung des Status Quo, d.h. der GEGENWART aus. Alles läuft unter dem Motto: "Heute noch nicht, aber in ein paar Jahren wird das alles Standard sein!" Wie motivieren wir damit Kunden , HEUTE in die von uns angebotenen Lösungen zu investieren? Ich versteh es einfach nicht!
Ich plädiere daher für ein
"Haus der Gegenwart"
in dem Technologien vorgestellt werden sollten, die HEUTE, HIER und JETZT möglich und wünschenswert sind! Das würde vielen Menschen die Scheu vor aktuellen Errungenschaften der Haustechnik nehmen. Touchpanels, Bussysteme, Multiroom Audio/Video-Systeme, Internetanbindung und ähnliches sind einfach nichts aus bzw. für die Zukunft sondern aktuelle Standards im gehobenen Wohnbau, wie sie unsere Branche tagtäglich realisieren!

Da lob ich mir ein Projekt in Deutschland namens
Der von mir sehr geschätzte Rüdiger Krug hat einfach sein eigenes Haus nach dem aktuellen Stand der Technik eingerichtet und dem ganzen einen hübschen Namen verpaßt. Bei genauerer Betrachtung ist in diesem Haus nichts aber auch schon gar nichts futuristisch oder extrem. Es ist einfach von jemandem mit Branchenerfahrung geplant und errichtet worden. Für sich und seine Familie, ohne jemandem etwas beweisen zu wollen.

Daß man damit aber auch im Jahre 2007 noch jede Menge Presse bekommt, ist ja eigentlich widersinning, oder?
Daher mein Aufruf: Liebe geschätzte Mitarbeiter der schreibenden Zunft. BITTE hört endlich auf, aktuelle Technik in die Sparte "Unser Leben in der Zukunft" zu verschieben und platziert Eure Artikel lieber unter "Aktuelles"

Und Ihr liebe Branchenkollegen? Geht hinaus in den Markt und verkauft HEUTE, denn morgen ist das Heute schon wieder Gestern!

Montag, 21. Mai 2007

MOCOM Pressenews

Da sieht man es wieder einmal. Wenn man eine gute Story zu erzählen hat, dann bringen Websites und Fachzeitschriften auch wirklich Pressemitteilungen.
Wie man das perfekt macht, zeigte unser neuester Lieferant von AUDICA Professional.

Mit einem kleinen Feuerwerk hat er englischsprachige Audio-Newskanäle über die Zusammenarbeit mit MOCOM unterrichtet. Nun ja, praktisch jeden Tag wird irgendwo eine Vertriebsvereinbarung geschlossen, geändert oder auch aufgekündigt, warum wurde also gerade diese Pressemitteilung in allen Medien übernommen?

Ich gestehe ich weiß es nicht, aber wahrscheinlich stimmt das alte Sprichwort:

Besser gut gemacht als nur gut gedacht!
Eine kleine Auswahl der letzten Tage:
Ach ja, AUDICA macht nicht nur tolle Pressearbeit sondern stellt auch hevorragende Produkte her. Wir sind ziemlich stolz darauf den Zuschlag erhalten zu haben, weil diese Vertretung einige Distributoren haben wollten.
Die ersten Geräte werden nächste Woche bei uns eintreffen und wir freuen uns schon darauf als wäre Weihnachten....

Dienstag, 8. Mai 2007

Kommunikationstechnik ohne Kommunikationstechniker

Sowas nennt man ein Paradoxon, oder? Da arbeite ich nun in einer Branche, die von vielen als zukunftsträchtig oder interessant bezeichnet wird, manchen rutscht gar ein geil oder sexy heraus. Stimmt ja auch irgendwie, denn der Markt wächst, Konkurrenz unter den Mitbewerbern sorgt für permanente Weiterentwicklung und vollmundige Presseberichte über das "Haus der Zukunft" hämmern das Thema in die werte Kundenschar.
Wie ich schon des öfteren geschrieben habe (z.B. erst kürzlich hier) ist gemäß dem strengen Auge des Gesetztes der Kommunikationselektroniker der richtige Mann volgo die richtige Frau.

Aber was mußte ich gestern hören?
Es wird ernsthaft erwogen, dieses Berufsbild aufzulassen weil:

  • es in Österreich praktisch keine Lehrlinge gibt
  • 60% der Gewerbeschein-Inhaber innerhalb der nächten 5 Jahre wahrscheinlich den Beruf aufgeben werden (kein Wunder, wenn sie sich noch immer so verhalten, wie der klassische Radio/Fernsehmechaniker, der sie einmal waren!)
  • die Elektriker drängen mit dem Berufsbild des Gebäudesystemtechnikers massiv in die diese topaktuellen Bereiche um von ihrem Kabelmaurer-Image weg zu kommen.
  • (es wäre nicht Österreich) eine gehörige Portion Politik mit im Spiel ist.
Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich nicht mehr darüber aufzuregen. Vielleicht hat es ja auch was Gutes an sich. Vergleichen wir einmal:
Derzeit erwirbt jemand eine Gewerbeberechtigung aufgrund einer abgeschlossenen Lehre und nachfolgender Meisterprüfung oder weil er aufgrund seiner Ausbildung (z.B. HTL-Ingenieur) eine vergleichbaren Wissensstand nachweisen kann. Ist diese Hürde einmal genommen, dann kann ihm niemand diese Berechtigung wieder entziehen. Es ist also in Österreich nicht nur legal sondern wahrscheinlich auch üblich, daß mit der Meisterprüfung die Ausbildung ihren Abschluß gefunden hat, auch wenn dieser schon Jahrzehnte zurückliegt! Soviel zum österreichischen Gewerberecht.

In juristisch wenig bis gar nicht regulierten Märkten wie z.B. England oder in den USA gibt es gar keine solche Ausbildung, sondern man muß sich über Schulungen von Berufsverbänden die Qualifikation aneignen. ALLE mir bekannten so erworbenen Zertifikate haben eine Geltungsdauer im Bereich von wenigen Jahren und müssen daher durch permanente Schulungen aktuell gehalten werden.
In unserer Branche ist das besipielsweise der CTS (Certified Technology Specialist) der Infocomm.
Nicht daß ich ein grundsätzlicher Gegner unserer Lehrsystems wäre, aber wie es scheint entsteht bei uns derzeit ein Ausbildungsvakuum, weil die handelnden Personen unwillig oder unfähig sind, sich dem Lauf der Zeit anzupassen. Anstatt Verteidiger der Dinosaurier zu sein, wäre ein wenig Konzentration auf die Gegenwart mit Ausblick in die Zukunft doch auch ein Konzept. Dann gäbe es auch mehr wie nur eine Handvoll Lehrlinge.

In dieses Vakuum werden Infocomm, CEDIA & Co vordringen, weil sie die einzigen sind, deren Zeugnisse auch eine echte Relevanz für den Endkunden haben. Oder glauben Sie wirklich, daß sich jemand bei der Einrichtung eines intelligenten Hauses mit allem Drum und Dran an jemand wenden wird, der als Qualifikation einen Meisterbrief aus 1972 vorweisen kann?
Wohl kaum, oder? Da wählt der Kunde lieber ein Unternehmen, bei dem ein bestimmter Prozentsatz der Angestellten über eine AKTUELLE Qualifikation in den gerade jetzt aktuellen Technologien haben MUSS! Wie sowas geht?
Es nennt sich Certified AudioVisual Solutions Provider (CAVSP) und davon gibt es auch schon in Europa eine ganze Menge. Wann wird es den ersten CTS oder den ersten CAVSP in Österreich geben? Ich glaube, es dauert nicht mehr lange......

Sie glauben mir nicht? Das ist Ihr gutes Recht, aber zumindest gibt es in Österreich schon 6 AV-Integratoren, die Displays und Projektoren gemäß ISF-Richtlinie für den Heimkinobetrieb optimal einstellen können und für diese Dienstleistung mehr als EUR 300,- verlangen und auch bekommen. Übrigens ein relativ simpler Vorgang, den JEDER österreichischer Kommunikationselektroniker in seiner Eigenschaft als Fernseh-Techniker in ähnlicher Form gelernt hat, aber dieses Wissen nicht aktiv vermarktet.

Wer sich nicht verkaufen kann, verkauft auch nichts, so will es das Gesetz der Wirtschaft.
Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Donnerstag, 26. April 2007

Harman Group an Finanzinvestor verkauft

Na das war eine Paukenschlag heute. Die gesamte HARMAN Group, Konzernmutter von weltbekannten Brands wie JBL, Harman Kadon, Becker, Infinity im Automotive/Consumer-Markt aber natürlich auch BSS, Lexicon, Studer, Crown und nicht zuletzt die ursprünglich österreichische AKG im Professional Audio Markt wird an einen Finanzinvestor verkauft.
Die spärlichen Details sind z.B. hier nachzulesen. Das Wichtigste in Kürze:
* Harman wird von der Börse genommen und vorerst als Privatfirma weitergeführt.
* Bei USD 120,- je Aktie macht das runde 8 Mrd USD zusammen .
* Käufer sind Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. (“KKR”) and GS Capital Partners
(“GSCP”), klassische Finanzinvestoren.
* Dr. Sidney Harman, schon bisher sorgenfrei, erhält für seine 5% die erkleckliche Summe von 200 Mio USD cash und nochmals 200 Mio USD in Form von Anteilen an der neuen Besitzfirma. Ob er noch einen Adoptivsohn sucht? :-)

Einer der Käufer, KKR kann man als die bekannteste aller Heuschrecken bezeichnen, womit man jene Beteiligungsfirmen uncharmant betitelt, die wie die Insekten über eine Firma herfallen, sie in möglichst kurzer Zeit wieder auf Vordermann bringen um sie dann idealerweise meist zerstückelt an die Börse bringen und sich ihr Risiko mit teilweise exorbitanten Gewinnen bezahlen lassen.

Was können wir nun erwarten? Nun, der Professional Audio Zweig, wenn auch DER dominante Player in unserem kleinen Markt, ist nur ein kleiner Teil des gesamten Konzerns. Trotzdem ist es mehr als wahrscheinlich, dass auch die Aufsplittung und der Abverkauf vor dem Pro-Bereich nicht halt macht.
Die Harman Group war eigentlich schon bisher recht profitabel, was eine schnelle Sanierung und damit eine blitzartige Wertsteigerung eigentlich ausschließt. Man kann daher eigentlich nur den Druck immens erhöhen, die Effizienz und den Umsatz nach oben zu treiben, denn die durchschnittliche Behaltedauer ist mit 3-5 Jahren doch eher kurz. Angebote von Management BuyOuts durch gestresste Manager, die "Ihre Firma retten wollen, werden sicher gerne gesehen und gehören zum Konzept!
Wie sowas eigentlich abläuft, kann man sich in Ruhe auf DVD anschauen. WALLSTREET aus dem Jahre 1987 gilt noch immer als DER Lehrfilm der Heuschrecken!

Wird AKG also wieder eine österr. Firma? BSS wieder britisch und Studer wieder ein schweizer Privatunternehmen? Wohl kaum, aber ich wette, dass die Harman Pro Group in dieser Form schon bald Geschichte sein wird.

Neugierig wie immer warte ich auf Ihre Kommentare.

Donnerstag, 19. April 2007

Vortrag Wiener Kommunikationselektroniker

So, da stand ich wieder im eher spröden Charme versprühendem Vortragssaal des Wiener Gewerbehaus. Ich war zu einem Vortrag vor den Wiener Kommunikationselektronikern eingeladen. Zu dem von den Veranstaltern gewünschten Themenkreis wählte ich einen Titel, der nach Möglichkeit den Inhalt möglichst gut beschreibt: "Chancen im Bereich Heimautomation und Multiroom-Audio" und ich meine es ja ehrlich so wie im Titel. Ich sehe es als eine Chance (vielleicht sogar DIE Chance für die KELs, wie sich selber nennen), weil der Markt beginnt, in Österreich so richtig abzuheben mit ca. 100% Wachstum pro Jahr und die Kommunikationselektroniker exakt für jenen Markt "zuständig" sind.

Wie Sie vielleicht wissen, nannte sich die angesprochene Berusfsgruppe Radio- und Fernsehmechaniker aber das ist schon länger her und heute, ja was heute ist, das ist die Frage!

Zum Thema zurück; obwohl ein ähnlicher Vortrag im Jahr 2006 den Saal komplett füllte gab es diesmal für mich eine große Überraschung. Knapp ein Dutzend wackerer Leutchen war der Einladung durch die Elektroinnung Wien gefolgt. Ob es an meiner Person lag oder an der gleichzeitig stattfindenden Champions-Leage Übertragung, werde ich wohl nie erfahren doch eines wurde mir im Laufe des Abends endgültig klar.

Kaum eine Berufsgruppe lebt so in der Vergangenheit und ist so wenig für die Zukunft (und die beginnt bekanntlich schon morgen!) gerüstet!
So, jetzt ist es heraussen, leider fühl ich mich jetzt trotzdem nicht besser!

Die KELs dürfen eigentlich eine ganze Menge: Sie beraten, planen, montieren und reparieren und zwar Geräte und Anlagen der gesamten Audio/Videotechnik, Funksysteme, Mechatronik für Elektronik, Büro- und EDV-Technik, bauen Antennenanlagen, kümmern sich sich um Beschallungs-Systeme und sind berechtigt Videoprojektoren, Plasmadisplays u.ä. zu montieren. Im übrigens im Gegensatz zum klassischen Fachhandel, der dem Kunden zwar eine Schachtel geben darf, aber z.B. lt. Gewerbeordnung keinerlei Montagen durchführen darf.
Nicht zu vergessen sind natürlich Techniken wie Videoüberwachung, Torsprechsysteme, Telefonanlagen, etc.
Im brancheneigenen Newsletter AV-News Ausgabe Oktober 2006 (nachzulesen hier) sind sogar noch einige weitere Arbeiten aufgeführt.

Aber was MACHT der Kommunikationselektroniker tatsächlich?
Nach Aussagen der Verantwortlichen versuchen die meisten, sich mit der Reparatur von alten Fernsehern über Wasser zu halten, denn verdient wird eigentlich nicht wirklich was. Sogar unerwartete Geschenke, wie die zwangsweise Umstellung auf DVB-T und damit der Umbau von tausenden Antennenanlagen bzw. der Neuverkauf von SAT-Anlagen brachte der Branche nicht viel ein.
Unverständlich aber wahr: Es gibt kaum Nachwuchs! Die Anzahl der Lehrlinge ist extrem überschaubar und viele Betriebe klagen über Nachfolgermangel. Das kann doch nicht sein in einem Beruf, bei dem es jedes Jahr mehr zu tun gibt?!

Wo viel Schatten ist, gibt es auch ein wenig Licht. Daher freu ich mich extrem, daß es ein paar Betriebe gibt, die sich dieser Lethargie entziehen können und gute Arbeit gegen gutes Geld verkaufen, sich den heißen Themen "intelligentes Wohnen", Heimvernetzung, u.ä. widmen und mit Service & Dienstleistung beim Kunden voll punkten. Ich wünsch ihnen allen nur erdenklichen Erfolg!
Sorry, für die anderen habe ich wirklich nur mehr Mitleid übrig, denn wer im Jahr 2007 in seinem Berufsbild die Schlagwörter Kommunikation und Elektronik führt, durch die Gewerbeordnung in vielen Zukunftsmärkten eigentlich einen dicken Schutzmanel hat (nochmals zum Mitschreiben: Wer KANN UND DARF in Österreich einen Videoprojektor in einem Schulungsraum montieren?) und trotzdem nicht volle Auslastung hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Vielleicht gibts ein paar Kommentare...

Mittwoch, 4. April 2007

Prolight + Sound Messereport

Es war wieder einmal die Zeit, wo sich das Wetter nicht entscheiden kann, ob es schon Frühling oder doch noch Winter ist, also Zeit für die Frankfurter Musikmesse oder Prolight + Sound, wie jener Teil der Messe genannt wird, der mich zu interessieren hat.
Während ich im Vorfeld noch dachte, es wird sicher wieder "business as usual" wurde ich sofort am ersten eines besseren belehrt!
Messe Frankfurt, das war immer die Show für die Profis und jener, die sich dafür halten. Das heißt jedes Ausstellungsstück wird ausgiebig betastet, Regler werden gedrehr und wenn möglich auch wird alles aktiv ausprobiert. Auf fast jedem Stand eines Lautsprecherherstellers, und davon gab und gibt es in Frankfurt reichlich, war ein Demoraum zum Anhören der Geräte vorhanden. Kurzum eine "Fummler-Show", wie es ein sehr geschätzter Branchenkollege einmal trefflich formulierte.
Und heuer? Ich erkannte die Messe kaum wieder! Welch ein Unterschied zu früher!
Der klassische Geräte-Striptease fand in deutlich verringerter Dosis statt und das Networking stand zweifelsfrei im Vordergrund. Viele Geräteracks mit dem zeitlosen Aufkleber "Messeneuheit" standen verlassen da, weil alle Personen sich in den Gängen oder in den Besprechungszonen trafen und intensiv miteinander kommunizierten.

Weshalb dieser Wandel fragen Sie sich? Nun, ich kann Ihnen nur meine absolut subjektive Meinung mitteilen und die lautet:

Die Professional Audio/Video/Light/Stage Branche wird endlich erwachsen!
Damit meine ich:
  • Den bekannten Herstellern traut man zu, professionelle & zeitgemäße Produkte in richtiger Qualität und marktgerechten Preisen zu entwickeln
  • Wirklich schlechte Geräte sind im Jahr 2007 selten geworden. "You get what you pay for!" lautet die Devise.
  • Wenn die Geräte immer ähnlicher werden, dann entscheiden die handelnden Personen und von guten Leuten oder allgemeiner gesagt von einem guten Netzwerk kann man nie genug haben.
  • Die Freaks, welche ausschließlich auf Features achten, sterben auch in unserer Branche schön langsam aus; es ist also nicht mehr sooo wichtig, wieviele Knöpfchen nun auf dem einen oder anderen Gerät drauf sind.
Ich für meine Person, habe mich diesmal in Frankfurt sehr wohl gefühlt und natürlich intensiv mitkommuniziert! :-)
An echten technischen Neuigkeiten war nicht allzuviel zu sehen und da war es nur normal, dass folgende Themen intensiv diskutiert wurden:
  • Mit dem Verkauf von Turbosound an die italienische PROEL-Gruppe ist ein weiterer (der letzte?) traditionelle britische ProAudio-Hersteller in ausländische Hände geraten. Wer bleibt jetzt noch?
  • Wird Martin Audio es überleben, von Loud Technologies übernommen worden zu sein? Wenn man als Vergleich deren ähnlichen US-Zukauf EAW als Maßstab nimmt, dann sieht es echt düster aus, leider!
  • Wohin wird es jenen Mann verschlagen, der die letzten Jahre als ProAudio Chef von Electrovoice und später der Telex-Gruppe verbracht hat und dem man nicht nur die Beschreibung "charismatisch" sondern auch durchaus weniger schmeichelhafte Charakterzüge zugeschrieben hat? Das war doch eine Überraschung, dass gerade er die Job-Rochaden, welche durch die Übernahme der Telex-Gruppe durch BOSCH voriges Jahr entstanden sind, nicht überlebt hat? Mal sehen, wie unsere deutschen Kollegen zu sagen pflegen.
  • Wer kommt nächstes Jahr noch nach Frankfurt und wenn ja, mit gleichem Messestand oder deutlich verkleinert? Wie es aussieht saugt die ISE (Integrated Systems Europe) VIEL Marketingbudget von Frankfurt ab.
  • Wird sich der LED-Movinghead mit eingebauter Nebelmaschine am Markt durchsetzen, den der Chinese mit zwei blanken Blockklemmen an den Verteiler angeschlossen hat? :-)
Für mich selbst war Frankfurt trotzdem ein Erfolg. Meine persönlichen Highlights:
  1. Ich hab es geschafft im angesagtesten Designerhotel Frankfurts nicht nur ein Zimmer zu bekommen, sondern auch noch weniger dafür zu bezahlen als für eine Absteige zu Messezeiten sonst fällig werden.
  2. Eine neue Vertretung für Österreich, zwei neue Vertretungen für Slowenien und
  3. viele nette Stunden mit bekannten Leuten.
Herz was willst Du mehr? Und wie war Ihre Frankfurter Messe?